Geht Hermann-Modellbahnen in Konkurs?

Alles rund um die Eisenbahn in der Schweiz
Urs Nötzli
Beiträge: 0
Registriert: 25.11.2010 19:53

Geht Hermann-Modellbahnen in Konkurs?

Beitragvon Urs Nötzli » 13.05.2016 19:51

Hermann-Modellbahnen in Konkurs?

In letzter Zeit sind Gerüchte im Umlauf, dass die Dällikoner Firma Hermann-Modellbahnen in Konkurs gehen würden. Dies mag viele Spur-0er aufgeschreckt haben. Kam dazu, dass die Firma ein neues Domizil in Wilen bei Wollerau ab 1. Juli 2016 bezieht. Dass dabei einen Teil der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den für sie weiteren Weg nicht in Kauf nehmen wollten, ist verständlich. Deshalb wird in der Schweiz ihnen aus arbeitsrechtlichen Gründen (Arbeitslosenkasse) jeweils vom Arbeitgeber gekündigt. So erhalten sie sofort Arbeitslosenunterstützung, was bei Kündigung durch den Arbeitnehmer nicht der Fall ist.
Was stimmt eigentlich?

Fakten
Meine persönliche Ansicht dazu ist die Folgende:
Das Umfeld im Modellbahnbereich hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Viele Händler mussten aufgeben, selbst grosse Firmen wurden äusserst arg getroffen, teils zudem von Finanzhaien noch zusätzlich „ausgehöhlt“.
Der Spur 0-Bereich ist ein kleiner Teil der ganzen Szene. Dass in dieser Zeit noch neue Anbieter, wie Lenz, MTH, Brawa, Bemo etc. auftraten, tat dem Markt zwar neue Impulse geben, verstärkte aber auch den Konkurrenzkampf. Darunter leiden natürlich in erster Linie die Kleinserienhersteller mit ihren meist höherwertigen und dadurch auch kostenintensiveren Produkten.

Auch der Firma Hermann-Modellbahnen sind viele treue Kunden abhanden gekommen, sei es altershalber, durch Hinschied oder durch eine Sättigung des Marktes oder ganz einfach, weil für deren Vorstellungen kein zusätzlicher Bedarf mehr vorhanden war.

Generationenwechsel
Bei der Firma Hermann ist ein Generationenwechsel über die Bühne: Die bisherigen Verantwortlichen, wie Thomas Brechtbühl, Hans-Martin Hottinger gingen in den Ruhestand, Hans Meier kann aus gesundheitlichen Gründen seit bald einem Jahr nicht mehr arbeiten, bezieht aber weiterhin Lohn. Info dazu gibt der im Verwaltungsrat Sitzende selbst der Firma keine ab.
Dafür übernahm laufend ein junger, aber erfahrener Modellbauer (amerikanisch und europäischer Modellbau) und gut ausgebildeter Polymechaniker die Leitung der Firma, nachdem er sich betriebswirtschaftlich ausbildete! Keine einfache Situation, mit der sich dieser auseinander setzen muss!

Stefan Bürki, der Geschäftsführer, ist zwar auch Modellbahner mit besten Kenntnissen, seine Geschäftsführung muss sich aber der modernen Marktwirtschaft stellen. Dessen ist man sich bei Hermann-Modellbahnen bewusst. So wurden und werden weiterhin Arbeitsprozesse gestrafft und vereinfacht (z. B. Kopierfräsen anstelle Teile zusammenlöten), Ziel sollen weiterhin beste Qualität bei einem guten Kosten-/Nutzen-Verhältnis sein. Dies ist umso wichtiger, da die Lebenshaltungskosten in der Schweiz höher sind als im europäischen Umfeld.

Neuorientierung der Firma
Neue Ideen haben bereits seit einiger Zeit Einzug gehalten. Dies ist notwendig geworden, um die altbewährte, aber arbeitsintensive Technik abzulösen. Auch der Maschinenpark ist veraltet und störanfälliger geworden. In der neuen Werkstatt besteht nun die Möglichkeit, partnerschaftlich einen hochmodernen Maschinenpark mit PC-gesteuerten Maschinen zu nutzen.

In der Zwischenzeit wurden auch wieder „neue“ Fahrzeuge in Angriff genommen, diese werden an der über Pfingsten in der Tennishalle Burgdorf-Steinhof stattfindenden Modelbahn-Ausstellung erstmals präsentiert. Bereits abgeschlossen ist der Bestelltermin für die letztmals gefertigten Re 4/4 II/III, der Re 6/6 und weiterer Fahrzeuge, man will sich neuen Projekten in neuer Technik widmen. Zudem will man sich auf die Kernkompetenz – dem Modellbau in gewohnter Schweizer- und Hermann-Qualität konzentrieren. Der Verkauf von Occasionen oder in Kommission wird dem dafür besser gerüsteten, digitalen Occasions-Markt überlassen. Weiterhin werden Umbauten, Revisionen, Reparaturen von Fahrzeugen, insofern Bauteile vorhanden sind, auf Offertbasis durchgeführt. Auch das durch Ausbildung erworbene Wissen und die Erfahrungen im Digitalisieren können weiterhin, wie bisher, genutzt werden.

Umbauten und Neulackierungen als Diversifizierung
Ein Gegeneinander in der Nenngrösse 0 ist ruinös, eine Zusammenarbeit hingegen bringt Vorteile und Synergien. So wurde bei Hermann-Modellbahnen begonnen, Produkte der Mitkonkurrenten z. B. mit einem neuen Design zu versehen, allenfalls zu ergänzen. Dies ist für die Hersteller der kleinen Stückzahl wegen unpraktisch, aufwendig und daher nicht zielführend. Der kleinere Partner hingegen, kann seine Stärke dort ausspielen und ist näher am Kunden(-wunsch).

Die günstigen MTH-Produkte, obwohl mit „europäischem“ Antrieb ausgerüstet, überzeugte vor allem die auf steigungsreichen Anlagen mit schweren Zügen fahrenden Schweizer nicht vollends. So kam aus Kundenkreisen der Wunsch auf, die schönen Fahrzeuge mit verbesserten Antrieben auszurüsten, zudem waren viele nicht glücklich mit der MTH-Elektronik, welche vom NMRA/MOROP-Standart abwichen. Mittels kopiergefrästen Untergestellen und je nach Wunsch auch neuen Hermann-Antrieben versehen, entsprechen derart umgerüstete Fahrzeuge aber den Vorstellungen Vieler.

Neuauflagen von Fahrzeugen
Dieses Pfingst-Wochenende an der Modellbahn-Ausstellung in der Tennishalle in Burgdorf-Steinhof (siehe http://www.modellbahnausstellung.ch) wird Hermann-Modellbau neue Fahrzeuge vorstellen. So z. B. werden die richtigen Einheitswagen II der SBB (Bisherige als solche Bezeichneten, stimmen z. B. in der Fensterhöhe etc. nicht . . ) in verschiedenen Ausführungen, darunter auch die einzigen AB-Wagen der SBB-Einheitswagenfamilie vorgestellt.

Um auch jüngere Kreise mit ihnen bekannten Fahrzeuge zum Einstieg (zusammen mit günstigen MTH-Produkte) zu animieren, werden die bekannten RBDe-NPZ-Triebwagen mit entsprechendem Bt-Steuerwagen, in der Ursprungsversion auch mit dem dazugehörendem AB-EWII-Zwischenwagen aufgelegt. Ganz neu und noch nie gefertigt: Die neue Domino-Version des RBDe 560 DO mit dem ABt-NPZ-DO-Steuerwagen!

Auf http://www.hermann-rail.ch wurde begonnen, die erhältlichen Bestandteile mittels Bild, Text und Massen – vorerst in Deutsch, zukünftig auch in Französisch und Englisch – aufzuschalten. Ein Anfang ist gemacht und man ist daran dies weiterzuführen. Bestellungen werden über die genannte Webseite sowie über mail@hermann-rail.ch, Fax +41 (0)44 844 06 49 oder Tel. +41 (0)44 844 07 27 entgegen genommen.
Mittels Herunterladen können die Bestandteilelisten auch zu Hause ausgedruckt werden.

Quintessenz
Wenn böswilliger Weise unwahre Gerüchte von ihrer Vorgeschiche wegen nicht über alle Zweifel erhabene „Modellbahner“ verbreitet werden, so sei nun auf die Fakten verwiesen.
Nur so nebenbei sei erwähnt, dass genau diese Leute, morgens um 10 Uhr in Dällikon mit der Forderung auftauchten, von über Internet billig gekaufte Fahrzeuge sofort zu reparieren und mittags 15 Uhr wieder abzuholen! Nachdem man klarstellte, dass es Kunden gäbe, welche schon länger auf eine Reparatur warten würde, glaubte dieser mit ausfälligen Worten sich äussern zu müssen und bombardierte danach mittels „in bestem Deutsch“ geschriebenen (und natürlich abgespeicherten) Mails den Geschäftsführer, persönlich „in den Dreck“ ziehend. Letzterer würde es aber lieber vorziehen, sich der Firmenarbeit zu widmen, als sich mit einschlägig bekannten Modellbahnern anzulegen.
Ich weiss – starke Worte, aber die Erwartungshaltung vieler Modellbahner ist hoch, vielfach zu hoch! „Wunder“ können aber auch Hermann-Mitarbeiter nicht vollbringen – zumal die erbrachte Arbeitszeit nicht immer gerne bezahlt wird, falsche Vorstellungen sind an der Tagesordnung. Selbst das Anfertigen von Offerten mit Teilzerlegung der Fahrzeuge, wird (noch) nicht verrechnet und auch nicht bezahlt. Gleiches gilt bei langen Telefonaten zu Beratungszwecken, welche vielfach mit Unklarheiten verbunden sind.

Trotzdem möchte Stefan Bürki diesen Kundenwünschen, der Reparaturen, Wiederherstellung oder Aufarbeitung weiterhin entgegenkommen, zugleich aber auch neue Fahrzeuge auflegen und verkaufen können.

Mit neuen Techniken wird ein Weiterbestehen der Firma leichter anzugehen sein, die Kosten im Griff gehalten und trotzdem die Qualität hochgehalten werden können.
Somit wird die durch Walter Hermann 1953 gegründete mechanischen Werkstätte, durch den 1962 Einstieg mit der Produktion der Spur 0 Wagen EWI zum Modellbahn-Hersteller gewordene Firma, mit neuer Initiative, neuer Technik, neuen Ideen und vor allem neuer Leitung weiterbestehen können.

Wer mehr über Hermann-Neuheiten wissen möchte, kann dies im Forumsteil über Firmenneuheiten etc. ersehen . . .

Arnold Höller
Beiträge: 0
Registriert: 18.12.2013 14:40

Re: Geht Hermann-Modellbahnen in Konkurs?

Beitragvon Arnold Höller » 25.05.2016 18:31

Herr Urs Nötzli

Warum schreiben nicht einfach---Hermann Modellbahnen zügeln.
Arnold Höller

Herr Urs Nötzli
Viele von der Spur 0 sind mit dem EA auch nicht immer einverstanden.
Spur 0 Expo Olten kein Beitrag im EA.

LG Arnold Höller

Urs Nötzli
Beiträge: 0
Registriert: 25.11.2010 19:53

Re: Geht Hermann-Modellbahnen in Konkurs?

Beitragvon Urs Nötzli » 26.05.2016 07:13

Arnold Höller hat geschrieben:Herr Urs Nötzli

Warum schreiben nicht einfach---Hermann Modellbahnen zügeln.
Arnold Höller

Herr Urs Nötzli
Viele von der Spur 0 sind mit dem EA auch nicht immer einverstanden.
Spur 0 Expo Olten kein Beitrag im EA.

LG Arnold Höller


Warum ich diesen Titel wählte?
Ganz einfach - in der Spur 0-Szene werden bösartige Gerüchte über eine Insolvenz und Unwahrheiten über Hermann-Modellbahnen vorwiegend in der Nordwestschweiz in die Runde geworfen.
Da ich die Fakten kenne: Stefan Bürki ist der Sohn eines guten SOB-Lokführerkollegen und ich kenne die Familie bezw. den genannten Vater schon vor der Hochzeit - war es mir als Freund der Firma (seit Jahrzenten), ein Anliegen, dies richtig zu stellen!
Ich nehme an, dass der Auftritt mit neuen Produkten in Burgdorf, der letztmaligen Produktion alter, nicht mehr zeitgemäss produzierten (und damit teuren) Fahrzeuge und der Liquidierung des seit über 20 Jahren veralten Maschinenparks somit den Wandel zu neuen, günstigeren Techniken mit gewohnter Hermann-Qualität und Garantie diesen bösartigen Unterstellungen ein Ende bereitet haben!

Der Wechsel von Dällikon war auch damit begründet, dass die energetischen Verhältnisse im alten Gebäude jenseits von Gut und Böse waren (nicht isolierte Toren, veraltete elektrische Anlagen usw.), das Gebäude sowieso saniert werden muss.
In Wilen bei Wollera (oberhalb Bahnhof Wollerau gibt es für Hermann-Modellbau neue kostengünstigere Mitbenutzung eines hochmodernen Maschinparkes, worauf das verbleibene Personal schon gearbeitet hat.
Eine Firma ist kein Modellbahn-Hobby, sondern muss betriebswirtschaftlich geführt werden, um zu überleben! Dass der Markt schwieriger geworden ist, sollte man inzwischen gemerkt haben!
Hermann-Modellbahnen hat schon unter Walter Hermann zwei Zäsuren erleben "dürfen/müssen" und wird auch diese Zäsur überleben. Im Übrigen wurde auch mit den nichtmitkommenden Mitarbeiter (Arbeitsweg!) gute Lösungen gefunden!

Ich werde gerne, im Einverständis dieser Partner darüber hier berichten, wenn es soweit ist.

Zum Zweiten: Und was hat mein Beitrag hier mit dem EA zu tun?
Warum und Wer ist "Viele von der Spur 0 sind mit dem EA auch nicht immer einverstanden"?
Warum arbeiten diese nicht mit? Freiwillig und ohne Lohn? Der EA ist eine Verbandszeitschrift. Zudem ist die Zeitschrift keine Gratiswerbeplattform mit Werbeartikel der Hersteller. Dafür gibt es Inserate! Aber auch die "Geiz-ist-Geil-Mentalität" geht in der Schweiz um . . . ! Dies betrifft natürlich auch die Bereitschaft, für eine in der Schweiz hergestellte (auch der Druck) Zeitschrift den entsprechenden Preis zu bezahlen, der den Lebenshaltungkosten längst hinterherhinkt . . .,

Und was war dann auf Seite 235 im EA 05/2016 zweispaltig ganzseitig und erst noch zweisprachig abgedruckt ? Zudem folgt noch ein Artkel!

Mit freundlichen Grüssen
Urs Nötzli


Zurück zu „Schweiz-Forum“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast